Interview mit dem SVLT - erschienen am 7. September 2023 auf LinkedIn:

 

Isabelle Dreyfus ist Psychologin M.Sc. und seit 2016 Lerntherapeutin beim SVLT


Deine ersten Gedanken, wenn du das Wort «Lernen» hörst? Was bedeutet Lernen für dich?

Als erstes denke ich: Ohje, diese Frage überfordert mich… und dann frage ich mich, warum? Und dann merke ich, dass für mich Lernen mittlerweile «alles» umfasst. Früher war für mich «Lernen» und «Schule» ein monogames Paar, welches ich eher eng und grau empfand. In der Zwischenzeit ist Lernen für mich ein bunter Blumenstrauss geworden – Lernen riecht nach Papier, Büchern, Bleistift aber eben auch nach Kaugummi, Sprite, Pausensnack und ebenso nach Freundschaft, Erfolg, Tränen und sich nach Niederlagen wieder aufrichten, Krönchen richten und die nächste Etappe angehen…

Was gefällt dir am besten am Beruf?

Es gefällt mir besonders, meinem Gegenüber genau zuzuhören – das ist wunderbar – denn dadurch geschehen wundersame Dinge – «Momo» von Michael Ende ist meine Heldin.

Mit welchen Schwierigkeiten wirst du als Lerntherapeutin häufig konfrontiert?

Das Thema «Druck» empfinde ich als omnipräsent.

Wem empfiehlst du eine Lerntherapie?

Allen Menschen, welche sich auf einem Lernweg befinden und nicht so vorankommen, wie sie sich das wünschen. Oft kommen die Leute erst, wenn das Leiden bereits so gross ist, dass sie es alleine nicht mehr tragen können. Dies ist aber keine Grundvoraussetzung – man darf also durchaus auch ohne Leidensdruck kommen und sich das Leben durch ein paar einfache Lernstrategien erleichtern oder gar versüssen.

Welche positiven Erfahrungen hast du mit Klientinnen und Klienten gemacht, die eine Lerntherapie besucht haben?

Als ganz gross empfinde ich die Dankbarkeit, welche mir entgegengebracht wird und welche ich ebenso immer wieder zurückgebe. Die Menschen kommen oft mit einem schwer beladenen Rucksack und wissen meist gar nicht, was sie alles mit sich herumtragen. Dann räumen wir auf, sortieren, teilen ein, finden den richtigen Ort, packen wieder ein, was reingehört und lassen draussen, was überflüssig ist. Und plötzlich ist der Rucksack gar nicht mehr so schwer - dann sind wir fertig, dann ziehen sie weiter und ich schauen hinterher und freue mich…